Der Grenzfluss

Ein Zeitreise-Bericht der Klasse 10b des BIP Kreativitätsgymnasium Leipzig vom 21. bis zum 22. Juli 2021


Wir schreiben das Jahr 2040.

Der Klimawandel hatte zur Folge, dass ein großer Fluss dauerhaft über die sich nun immer weiter ausbreitenden Ufer getreten ist. Die Völker von beiden Seiten des Flusses waren verzweifelt. Niemand wusste, welche Partei man weiterhin wählen sollte, da die bisherigen nicht genug unternommen hatten, um den Klimawandel zu stoppen.

Dadurch bildete sich auf der einen Seite des Flusses eine neue Partei – ZfD „Zukunft für Deutschland“. Die Menschen waren begeistert von dieser Partei und ihren Plänen für die Zukunft. Sie sprachen sich für eine gerechte Zukunft für alle aus, obwohl sich der Klimawandel nicht mehr stoppen lässt. Daher wollten sie das neue Leben in Frieden und Gerechtigkeit planen. So wurden sie schließlich mit 63 % zur Regierung Deutschlands gewählt.

Doch in Wirklichkeit war das Ziel dieser Partei nur Geld. Die Partei war voller Lobbyisten für große Unternehmen. Als der Fluss wieder einen normalen Wasserstand erreicht hatte, bot ein Unternehmen der Regierung einen Deal von 2,3 Billionen Euro an mit der Bedingung, dass sie dafür den Mindestlohn sowie alle sozialen Hilfen abschaffen soll.

So verarmten die Leute der anderen Seite des Flusses. Die Reichen beuteten die Arbeiter der anderen Flussseite aus, wodurch sich eine Grenze zwischen Arm und Reich bildete, die mithilfe einer Mauer bekräftigt wurde. Die Armen lebten in Slums, während die Reichen in ihren Städten die neueste Technik hatten, in ihrer Freizeit Virtual Reality Games spielten und mit fliegenden Automobilen, sogenannten „Autovolaren“ zu ihren Freunden zur nächsten Party fuhren.

Die Armen sind mit dieser Situation unzufrieden und protestieren. Auf den Protesten agieren sie mit Gewalt gegen die Reichen, indem sie verschiedene Gegenstände auf die Mauer werfen. Da Roboter teilweise die Arbeit der armen Bevölkerung übernahmen, waren die Armen noch unzufriedener. Wachroboter sichern die Grenze und haben die Anweisung, niemanden auf die reiche Seite zu lassen.



Eine Szene, die sich im Jahre 2040 zugetragen hat…

1. Akt: An der Grenze

 Handelnde Personen:

  • Demonstranten  
  • Wachroboter  

Eine Demonstration am Grenzfluss: Viele Menschen stehen an einer Brücke auf einer Seite der Grenze und bilden Sprechchöre. Auf der anderen Seite stehen Wachroboter mit Waffen im Anschlag, die versuchen, die Menschen aufzuhalten.

Demonstranten (im Sprechchor): Eat the Rich! Wir wollen Freiheit! Wir wollen Recht!

Wachroboter 1 (monoton): Zurückbleiben bitte.

Demonstrant 1: Nein, wir wollen unsere Freiheiten!

Die Demonstranten drängen auf die Brücke, die Wachroboter schubsen sie immer wieder weg.

Wachroboter 2 (monoton): Bitte bleiben Sie auf Ihrer Seite der Grenze.

Demonstrant 2: Nieder mit den Bonzen!

Ein Demonstrant übertritt im Gerangel die Grenze auf der Mitte der Brücke.

Alle Wachroboter (schreien): Grenzüberschreitung! Wir werden die Grenze nun mit Gewalt schützen! Grenzüberschreitung!

Die Wachroboter entsichern ihre Waffen und zielen auf die Demonstranten. Ein Wachroboter schießt in die Luft. Die Demonstranten schreien auf und rennen davon. Für heute ist die Grenze sicher.


2. Akt: Im Hochhaus

 Handelnde Personen:  

  • Sicherheitsberaterin  
  • Innenministerin  
  • Bote  

Die Innenministerin bezieht eine neue Wohnung in einem schicken Hochhaus. Die Sicherheitsberaterin zeigt ihr, wie die Wohnung gesichert werden soll.

Sicherheitsberaterin: Wir haben einen umfassenden Sicherheitsplan erstellt. In den Ecken sind die Kameras schon installiert. (zeigt in die Ecken) Das gesamte technische Paket, das Sie bestellt haben, wird bereits eingestellt. Wir haben die Arbeiter schon besorgt. Die Kosten sind bereits berechnet.

Abgeordnete: Und die Arbeiter arbeiten auch gut? Und viel?

Sicherheitsberaterin: Die Arbeiter haben sowieso keine Stimme, sie arbeiten, so viel wir es ihnen sagen. Und sie bekommen so viel, wie wir ihnen geben. Das genügt.

Abgeordnete: Sehr schön.

Sicherheitsberaterin: Ich mache gleich den Vertrag fertig. (holt ein Dokument aus der Tasche und legt es auf einen Tisch) Unterschreiben Sie bitte hier.

Es klopft an der Tür.

Innenministerin: Kommen Sie herein!

Ein Mann im Anzug hetzt herein. Er ist außer Atem.

Bote: Wir haben ein Problem an der Grenze! Es gab große Proteste und sogar einen Schusswechsel mit einem Roboter. Sie müssen sofort an die Grenze fahren, um sich das anzusehen. Die anderen Regierungsmitglieder haben eingewilligt, ab Null Uhr das neue Digitalpaket zu starten.

Innenministerin: Mit den neuen Kameras? Und…?

Bote: Genau, mit den neuen Kameras und der Schussfreigabe für die automatischen Kanonen.

Innenministerin: Hervorragend. Endlich wird die Grenze umfassend gesichert. Ich komme sofort. (zur Sicherheitsberaterin) Sie haben mein vollstes Vertrauen. Tun Sie, was Sie für nötig halten. Ich möchte, dass meine Wohnung so gut gesichert sein wird wie die Grenze.

Sicherheitsberaterin (nickt): Verstanden.

Die Ministerin eilt dem Boten hinterher aus der Wohnung. Die Amtsgeschäfte rufen.


3. Akt: In einem konspirativen Haus nahe der Grenze

 Handelnde Personen:

  • Taubert – Mitglied der Regierung, hilft den Aufständischen  
  • Intelligente Tür  
  • Robert – Aufständischer  
  • Ein paar Aufständische  

Frau Taubert nähert sich einer dunklen Haustür. Sie flüstert der Tür zu.

Taubert: Regierungsabgeordnete Taubert, Zutritt bitte.

Eine gepiepste Melodie ertönt.

Tür: Zutritt gewährt.

Die Tür geht auf, Frau Taubert tritt ein. Im Haus sitzen eine Handvoll Aufständischer um einen Tisch. Alle haben düstere Mienen und blicken erschrocken auf.

Taubert (in die Runde): Guten Abend!

Robert (erleichtert): Ach, Sie sind es, Frau Taubert. Willkommen! Wie sieht es aus? Alles in Ordnung?

Taubert: Man hat mich noch nicht enttarnt. Soweit ja. Allerdings konnte ich heute kritische Informationen in Erfahrung bringen.

Robert: Der Aufstand ist bereit. Wir wollen das bald durchziehen.

Alle nicken.

Taubert: Wir müssen uns aber beeilen. Um Mitternacht wird das Digitalpaket in Kraft treten. Damit wird auch die Schusserlaubnis erteilt.

Alle schauen sich erschrocken an.

Taubert: Das heißt, der Aufstand muss vor Null Uhr durchgeführt werden. Denn dann sind die neuen Kameras einsatzbereit und es wird scharf geschossen. (blickt auf ihre Uhr) Wir fahren um 23:30 Uhr die Waffen an die Grenze, dann geht es los.

Robert: Ist das nicht zu spät?

Taubert: Es wird knapp, aber wir brauchen das Überraschungsmoment auf unserer Seite. Niemand wird damit rechnen, dass heute noch etwas passiert. Die Wachroboter werden so spät außerdem schon größtenteils außer Betrieb sein. Es ist eure, unsere einzige Chance.

Robert: Alles klar. Hoffen wir, dass alles klappt. Danke für Ihre Hilfe.

Frau Taubert geht aus der Tür, schaut sich um und verschwindet im Dunklen. Robert und die anderen Aufständischen machen sich bereit.