Das Antidot

Im Jahr 2040 hat Jacques Bermon Webster II. alle und alles im Griff im „neuen Deutschland“, wie er es selbst taufte. An die Macht kam er ganz demokratisch. Jacques Bermon Webster II. versprach in seinem Wahlkampf im Jahr 2028, die Schere zwischen Arm und Reich nun endgültig zu schließen. Aufgrund der extremen sozialen Ungleichheit im Lande reichte dies aus, um die absolute Mehrheit zu erlangen. Sogleich führte er die „Stonks-Steuer“ ein – er beschlagnahmte gegen eine „gerechte Entschädigung“ den Besitz der Reichen und investierte das so gewonnene Geld in den Bau von Schulen und in landwirtschaftliches Know-how.

Allerdings war der Machthunger von Jacques Bermon Webster II. damit noch nicht gestillt. Seinem ehrgeizigen Charakter reichte es nicht, die Mehrheit der Bevölkerung auf seiner Seite zu wissen, er strebte schon bald nach vollständiger Kontrolle. Mit der Erfindung des „Antidots“ konnte sich Jacques Bermon Webster II. seinen Wunsch nach absoluter Macht erfüllen, die er seitdem uneingeschränkt ausübt – ohne dass dies von Seiten der Bevölkerung auf sichtbare Gegenwehr stößt.

Bei dem als Heilsbringer angepriesenen „Antidot“ handelt es sich um einen kleinen Chip, der im Ohr implementiert wird und dem Nutzer eine nach individuellen Wünschen geschaffene Welt simuliert. Die angesagte „Droge“ entfaltete schon bald ihre Wirkung. In kurzer Zeit wollten alle Bürger das „Antidot“ haben, zumal es kostenlos zur Verfügung gestellt wird.

Aber auch das war Jacques Bermon Webster II. nicht genug. Seinen IT-Experten gelang es, die Geräte derart zu manipulieren, dass in diese schöne, neue virtuelle Welt auch politische Botschaften und Befehle erfolgreich transportiert werden konnten. So kontrolliert Jacques Bermon Webster II. inzwischen die gesamte Bevölkerung.

Geheimdokument von Le 4’che Musket

Ich, Le 4’che Musket, der Entwickler des „Antidots“, rebelliere gegen die Massenkontrolle. Deshalb habe ich einen Systemfehler eingebaut, der die Manipulation durch das „Antidot“ aufheben wird. Wir „aufgewachten“ Personen haben eine Widerstandsbewegung gegründet und nennen uns „Die Erwachten“.

Unser Ziel ist es, Jacques Bermon Webster II. zu putschen und die Bevölkerung aus der Höhle des Nichtwissens zu befreien. Wir infiltrieren das von Jacques Bermon Webster II. kontrollierte Militär und versuchen, zwei seiner Berater ausfindig zu machen. Wenn wir den Wirtschaftsberater Hue Janus und den Sozialberater Mike Oxmaul auf unsere Seite ziehen, werden wir Webster stürzen können.



Eine Szene, die sich im Jahre 2040 zugetragen hat…

1. Akt: Im Fernsehen

 Handelnde Personen:

  • Stefan Müller – Fernsehzuschauer  
  • Jacques Bermon Webster II. – Bundeskanzler  
  • Le 4’che Musket – Direktor des Forschungszentrums  

Stefan Müller macht den Fernseher an, um die Nachrichten zu sehen. Es kommt eine „aktuelle Stunde“.

Jacques Bermon Webster II.: Mein liebes Volk! Ich, Jacques Bermon Webster II., bedanke mich dafür, dass ihr mich so zahlreich gewählt habt! Ich werde mich weiterhin für die Verfolgung der von mir gesetzten Ziele kümmern und versuchen, sie erfolgreich umzusetzen! Ich gebe nun das Wort an meinen technischen Berater Le 4’che Musket.

Le 4’che Musket: Der große Wahlsieg von Jacques Bermon Webster II. hat uns inspiriert, an diesem Tag eine revolutionäre technische Neuheit vorzustellen: Das sogenannte „Antidot“. Durch sein kompaktes Format kann es überall im Leben verwendet werden. Es projiziert die innersten Wünsche direkt in die Vorstellung einer Person und versetzt sie damit sozusagen in diese Wünsche hinein. So werden die wildesten persönlichen Träume wahr!

Stefan Müller zögert etwas, aber schaltet dann doch weiter, um eine weitere Folge von Tatort zu sehen.


2. Akt: Die Auswahlkommission

 Handelnde Personen:

  • Jacques Bermon Webster II. – Bundeskanzler  
  • Le 4’che Musket – Direktor des Forschungszentrums  
  • Mike Oxmaul – Berater des Bundeskanzlers  
  • Byll Snow – Kandidat  
  • Frau Schulz – Kandidatin  
  • Frau Fischer – Kandidatin  

Wie zu Anfang eines jeden Monats entscheidet die Arbeitskommission, welche Arbeitslosen welche Tätigkeit künftig ausüben sollen. Als Zeichen großer Volksnähe hat der Bundeskanzler persönlich den Vorsitz inne. Ein Mann, Byll Snow, tritt vor die Kommission zur Arbeitseinteilung.

Jacques Bermon Webster II.: Treten Sie bitte vor! Musket, haben Sie mir etwas mitzuteilen?

Le 4’che Musket: Oh ja, diesen Mann hätte ich gerne in meiner Forschungsabteilung.

Jacques Bermon Webster II. (zu Byll Snow): Sie dürfen mit Herrn Musket forschen gehen.

Eine Frau tritt vor die Kommission.

Mike Oxmaul: Frau Schulz kann sehr gut sehen und Auto fahren. Ich würde sie als Busfahrerin einstellen.

Jacques Bermon Webster II. (zu Frau Schulz): Sie dürfen ab morgen den Linienbus 4 fahren.

Eine weitere Frau tritt vor die Kommission.

Mike Oxmaul: Frau Fischer kann sehr gut mit Kindern umgehen, ich denke, sie würde sich gut als Lehrerin machen.

Jacques Bermon Webster II.: Ich glaube, sie eignet sich eher als Kindergärtnerin. (zu Frau Fischer) Viel Erfolg! (zu seinen beiden Beratern) Meine Herren, vielen Dank!

Der Bundeskanzler geht zur Limousine, die ihn direkt in den Regierungssitz fahren soll, während die Kandidaten weitere Informationen zu ihrer neuen Arbeit erhalten.


3. Akt: Im Forschungszentrum

 Handelnde Personen:

  • Le 4’che Musket – Direktor des Forschungszentrums  
  • Byll Snow – neuer Mitarbeiter  

Zurück im Forschungszentrum tippt Le 4’che Musket auf komplizierten Gerätschaften herum. Dann wendet er sich hoffnungsvoll seinem neuen Mitarbeiter zu.

Byll Snow (nimmt das Antidot aus seinem Ohr): Wo bin ich?

Le 4’che Musket: Es hat funktioniert! Phantastisch! Ich werde es dir erklären. Ich bin nicht wirklich derjenige, der ich vorgebe zu sein. Ich bin in Wahrheit nicht mit der Massenkontrolle von Jacques Bermon Webster II. einverstanden. Ich habe in einige Antidots einen Systemfehler implementiert, sodass sie nicht mehr funktionieren und ihre Benutzer aufwachen. Du musst diese Gelegenheit nutzen, um noch mehr Leute zu befreien!

Byll Snow und Le 4’che Musket besprechen den Plan. Schließlich verlässt Byll voller Tatendrang das Forschungszentrum – offiziell mit dem Ziel, weitere Kandidaten zu rekrutieren.