Perfekte Imperfektion

Ein Zeitreisebericht aus dem BSZ Delitzsch vom 3. bis 4. Juli 2019

Die „Allgemeine Lohnangleichung“ (ALA) war ein Meilenstein in der jüngeren Geschichte Deutschlands. Alle Löhne bewegen sich nun berufsübergreifend auf einem ähnlichen Niveau. Dies ist der dritte Schritt nach der Lohnangleichung erst zwischen Ost und West und später zwischen Frau und Mann. Grundrente, Grundeinkommen und Mindestlohn (15 Euro) bilden die tragenden Säulen des neuen politischen Systems, um allen Bürgern ein relativ abgesichertes Überleben zu garantieren.

Durch die ähnlich hohen Löhne ist ein Rückgang bei Krankmeldungen und Arztbesuchen zu verzeichnen, da sich die Menschen nun häufiger Bio-Produkte, regelmäßig Obst und Gemüse sowie hochwertiges Fleisch aus artgerechter Haltung leisten können. Dieses gesunde Miteinander zwischen zunehmend wohlhabenden Mitmenschen geht einher mit weniger Ehebrüchen, Scheidungen und Sorgerechtsstreits sowie im öffentlichen Raum mit mehr Solidarität und Zivilcourage.

Auch das Bildungssystem wurde von Grund auf reformiert. In allen Schulen lernen die Schüler mittlerweile bis zur 10. Klasse auf einem ähnlichen Lernniveau. Dies wurde durch eine massive Ausweitung der Anstellungen einer deutlich größeren Anzahl von Lehrern pro Schüler sowie die Einrichtung von flächendeckenden Förderunterrichtprogrammen erreicht. Die Anreize unter Schülern für eine stetige Qualifizierung und Spezialisierung wurden u.a. dadurch erhöht, indem ein „Unterstützungszuschuss für jegliche Art von Studierenden und Auszubildenden“ eingeführt wurde, der sich im Umfang an der Dauer der Ausbildung bzw. des Studiums ausrichtet.

Besonderen Wert wird dem Rückgang der Massentierhaltung beigemessen. So legt das Grundgesetz mittlerweile fest, dass „Lebewesen jeglicher Form und Art als solche zu behandeln und erhalten sind und dies bei Pflege, Nahrung und Schlachtung artgerecht erfolgen muss“. Selbst der Paragraph 1 des Grundgesetztes wurde erweitert: „Die Würde des Menschen und eines jeden Tiers ist unantastbar.“



Eine Szene, die sich im Jahre 2040 zugetragen hat…

1. Akt: In der Schule

 Handelnde Personen:

  • Richard – Schüler  
  • Johannes – Schüler  

Richard und Johannes sitzen auf einer Bank auf dem Schulhof.

Richard: Was hast Du so nach der Schule vor?

Johannes: Naja, ich mach weiter mit Abitur. Und Du?

Richard: (nachdenklich) Ich habe ja bisher schon den vorgeschriebenen Förderunterricht gebraucht. Ich gehe wohl lieber in die Ausbildung.

Johannes: Aber mit den Tablets als Bücherersatz ist doch alles einfacher. Außerdem sind wir eine richtige Gemeinschaft über die 10 Jahre geworden. Ist doch schade, wenn jetzt so viele gehen (legt seine Hand auf Richards Schulter).

Richard: Mit den Tablets komm ich nicht klar. Und überhaupt – die meisten der anderen Schüler sind doch nächstes Jahr noch da. Und nach der 9. Klasse sind auch schon einige abgegangen.

Johannes: Trotzdem schade. Naja, Dir auf jeden Fall viel Glück!

Richard: Danke, Dir auch!


2. Akt: Am Flughafen

 Handelnde Personen:

  • Johannes – Fluggast  
  • Marie – Fluggast

Alle sitzen nebeneinander.

Johannes: Und, wo fliegst Du hin?

Marie: Nach Leipzig, zurück zur Uni!

Johannes: Ich bin übrigens Johannes.

Marie: Ich bin Marie, freut mich (schütteln sich die Ellenbogen)!

Johannes: Was studierst Du denn und wie lange schon?

Marie: Sozialpädagogik seit einem Jahr. Hab‘ also noch zwei Jahre. Und Du?

Johannes: Ich studiere seit zwei Jahren in Köln Medizin und ich habe noch drei Jahre.

Marie: Wohnst Du schon alleine oder noch in einer WG?

Johannes: WG (lacht)… Nee, ich habe eine eigene Wohnung. Durch den Studentenzuschuss kann sich das doch mittlerweile jeder leisten. Mein Vater sagt immer, wir können froh sein, den Zuschuss zu haben. Früher gab es den ja nicht.

Marie: Ja, der Zuschuss ist super, aber in WGs ist es lustiger, da lernt man interessante Leute kennen. Erinnerst Du Dich? Früher waren die Mieten auch für die Studenten noch genauso hoch wie für bereits Arbeitende. Unvorstellbar, wie die das damals gemacht haben.

Durchsage: Flug 03737 nach Köln-Hauptflughafen. Boarding in 20 Minuten.

Johannes: Oh, das ist meiner. Hat mich gefreut!

Marie: Danke, mich auch! Guten Flug!


3. Akt: Im Fitnessstudio an der Empfangstheke

 Handelnde Personen:

  • Robo 2.0 – Roboter
  • Gertrude – Besucherin  

    eines Fitnessstudios  

Robo 2.0: Herzlich willkommen im Gymtastic! Was kann ich für Sie tun?

Gertrude: (schiebt sich auf ihrem Rollator langsam rein und schaut verunsichert um sich) Ich würde mich gerne anmelden.

Robo 2.0: Sehr schön. Bitte halten Sie Ihren Arm an das Lesegerät und warten Sie auf das Signal (Gertrude schaut skeptisch auf das Lesegerät, legt aber schließlich ihren Arm drauf). Sie sind 75 Jahre alt und haben eine Verordnung für mehr Sport (durch eine eingespeicherte ärztliche Verordnung fallen keine Gebühren für das Fit an, für private Nutzung jedoch schon). Sie können den Arm nun entfernen. Die deutsche Krankenkasse übernimmt die Kosten Ihres Aufenthalts.

Gertrude: (sichtlich erfreut) Vielen Dank! Dann leg ich mal los!

Gertrude schiebt ihren Rollator mit einer Geschwindigkeit in Richtung Umkleide, dass man sich kaum dem Eindruck entziehen kann, dass sie diesen gar nicht benötigt…