Land der Reichen

Ein Zeitreisebericht aus dem BSZ Delitzsch vom 3. bis 4. Juli 2019

Im Deutschland des Jahres 2040 herrscht große Unzufriedenheit mit der Politik. Die Armen werden immer ärmer, während die Wohlhabenden ihren Reichtum weiter mehren. Immer leistungsfähigere Roboter nehmen den niedrig qualifizierten Menschen die Arbeitsplätze weg. Daher können sich die Armen keine medizinische Versorgung leisten.

Doch eigentlich leben selbst die ärmeren Menschen dank neuartiger und faszinierender Erfindungen auf einem deutlich höheren Niveau als noch 20 Jahre zuvor. So überprüfen verschiedene Hygienegegenstände die Gesundheit der Menschen, diagnostizieren Krankheiten und geben erste Tipps zur Therapie. So erkennen Haarbürsten nun Läuse, Toiletten Magen-Darm-Infekte und Zahnbürsten Karies und Parodontose.

Auch die Kommunikation hat eine neue Ebene erreicht. Über eine neue Hologrammtechnik können Politiker in Wahlkampfzeiten an verschiedenen Orten gleichzeitig Ansprachen an ihre Wähler halten, ohne der Gefahr von Anschlägen oder Anfeindungen ausgesetzt zu sein. Dies führt allerdings zu einer zunehmenden Distanz zwischen Bürgern und Politikern und nährt die Skepsis und den Verdacht, dass „die da oben“ gar nicht wüssten, wie die einfachen Menschen leben.



Eine Szene, die sich im Jahre 2040 zugetragen hat…

1. Akt: Auf der Straße

 Handelnde Personen:

  • Monica – armes Mädchen  
  • Stella – reiches Mädchen
  • Juliana – reiches Mädchen  

Ein armes Mädchen (Monica) beobachtet zwei sichtbar reichere Mädchen (Stella und Juliana). Monika sieht, wie Stella sich die Haare mit einer speziellen Bürste kämmt und anschließend aufmerksam auf die Bürste schaut. Sie geht auf die beiden zu.

Monica: Was ist das für eine schöne Bürste? Die sieht irgendwie, hmm, besonders aus.

Stella: Mit der Bürste kann man Krankheiten diagnostizieren. Aber das ist nichts für Dich, die kannst Du Dir eh nicht leisten.

Monica: Wow! (bettelnd) Bitte, ich möchte sie nur einmal ausprobieren.

Stella zögert und schaut Monica prüfend an.

Juliana: Ach komm, lass sie doch mal.

Stella gibt Monica etwas widerwillig die Bürste und Stella probiert sie voller Spannung aus. Doch dann erscheint die Diagnose: Läuse!

Stella: (völlig außer sich) Iiiih, warum habe ich der nur meine Bürste geliehen? Die kann ich nun wegschmeißen. Na toll!

Juliana: Nun hab Dich doch nicht so. Dann kaufst Du Dir halt ´ne neue.

Stella: (zu Monica) Hier, die kannst Du jetzt behalten!


2. Akt: In einer Fabrik

 Handelnde Personen:

  • Dr. Ernst – Chefin  
  • Frau Müller – Angestellte
  • Frau Schmidt – Angestellte  
  • Robbi – Roboter

Ein Roboter ruft zwei Mitarbeiterinnen (Frau Müller und Frau Schmidt) herein, im Büro wartet ihre Chefin (Frau Dr. Ernst).

Dr. Ernst: Es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass ich Ihnen fristlos kündigen muss.

Frau Müller: Wie bitte? Aber warum? Wir haben doch als Sekretärinnen jahrelang gute Arbeit für Sie geleistet.

Frau Schmidt: Haben wir nicht alle Ihre Wünsche stets zur vollen Zufriedenheit erfüllt?

Chefin: Ja, in der Tat, das haben Sie. Aber wir haben einen besseren Ersatz gefunden (zeigt auf den Roboter), meinen neuen Robbi (lächelt ihn stolz an). Er ist billiger und kann deutlich mehr Aufgaben übernehmen – etwa auch schwere Ordner tragen oder komplexe Rechenaufgaben lösen. Es tut mir leid.

Robbi: (fragt Frau Müller und Frau Schmidt) Ein Getränk?

Frau Schmidt und Frau Müller verneinen höflich, bedanken sich für das Gespräch, verabschieden sich und beschweren sich tuschelnd über den neuen Roboter.


3. Akt: Auf einer Kundgebung

 Handelnde Personen:

  • Martin Gertig – Präsident  
  • Paula Schwertig – Kassiererin  
  • Helga Kark – Verkäuferin

Der Präsident, Martin Gertig, hält im Zentrum des Marktplatzes eine Rede zum Volk, doch nicht er ist zu sehen, sondern nur ein flimmerndes Hologramm.

Präsident: (lächelt in die Kamera) Guten Abend, mein Volk! Heute überbringe ich Euch wieder gute Nachrichten. In der nächsten Zeit werdet Ihr viel mehr Freizeit haben. Uns ist es gelungen, die Hälfte aller Arbeitsplätze durch Roboter zu ersetzen. Das wird die Gewinne steigern und vor allem die Wirtschaft stärken. Dadurch können wir mehr Geld in die Forschung investieren und neue Produkte erschaffen, so wie unsere neue Haarbürste – die „Extreme“ –, die Sie bestimmt alle kennen und benutzen. Das wird viele Vorteile für unsere Gesellschaft haben. Hiermit wünsche ich Ihnen noch einen schönen Abend!

Paula Schwertig: Das ist ja wohl nicht sein Ernst! Was sollen wir mit mehr Freizeit, wenn wir kein Geld mehr verdienen?

Helga Kark: Wie soll ich nur meine Familie ernähren? Umschulungen werden ja kaum noch für ältere Menschen wie mich angeboten, da die einfachen Arbeiten von Robotern übernommen werden. Und das wird uns noch als „gute Nachricht“ verkauft? Pff.

Die beiden Frauen verlassen schimpfend und Köpfe schüttelnd den Marktplatz.